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Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität

herzfrequenzbild

2018 fand bei uns ein größeres Forschungsprojekt statt: In Kooperation mit der Universität Wien, der Abteilung Komparative Medizin des Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Siegmund Freud Universität beschäftigten wir uns mit den gesundheitsfördernden Aspekten der pferdegestützten Therapie. Der Titel lautet: „Sie spüren deinen Herzschlag! Die Herzrate, Herzratenvaraibilität und Kortisolausschüttung als Indikatoren der Synchronisation in pferdegestützter Therapie.“

Im Rahmen des Forschungsprojekts haben wir uns einerseits die stressreduzierende Wirkung von Pferden angeschaut und bei der Therapeutin, der Klientin und dem Therapiepferd sowohl den Herzschlag und die Herzratenvariabilität (HRV) als auch das Kortisol im Speichel gemessen.

Außerdem wollten wir uns die Synchronisation zwischen den drei InteraktionspartnerInnen anschauen. Kommt es zu einer Synchronisation in den physiologischen Parametern? Studien in der Mutter-Säuglings-Interaktionsforschung konnten den Effekt von sich abstimmenden Herzschlägen schon nachweisen. Aber kommt im pferdetherapeutischen Setting ebenfalls zu Herzen, die im selben Takt schlagen?

Es war eine intensive Datenerhebungszeit mit einem genialen Forschungsteam und super fleißigen Studienteilnehmerinnen, die sich nicht von Minusgraden, unvorhersehbaren technischen Herausforderungen und stunden- bis tagelangen Einsatz fast rund um die Uhr unterkriegen ließen. Im Gegenteil! Die Motivation und Begeisterung neuen Geheimnissen der Pferdetherapie auf die Spur zu kommen waren enorm. Und der Einsatz hat sich ausgezahlt, wie die Ergebnisauswertung zeigte:

Einerseits konnten wir zeigen, dass die Integration von Pferden in das therapeutische Setting eine stressreduzierende Wirkung auf Klientinnen hatte. Wir haben vor und nach der Therapiestunde das Kortisol, die Herzfrequenz und HRV gemessen. Und außerdem hatten wir eine Kontrollbedingung, in der gar kein Pferd bei der Therapiestunde dabei war, sondern nur das Tonnenpferd aus Holz. Nach dem Pferdekontakt (im Gegensatz zu davor) und in der Experimentalbedingung mit Therapiepferd (im Gegensatz zum Tonnenpferd)  waren das Kortisol und die Herzfrequenz niedriger und die HRV ist gestiegen. Hohe Werte in der HRV sprechen für ein hohes Wohlbefinden und niedrige Werte im Kortisol und der Herzfrequenz zeigen Entspannung an. Somit haben Therapiepferde einen positiven Einfluss auf das Stresserleben und Entspannung.

Andererseits haben wir uns die Synchronisation der Herzschläge angeschaut und dabei festgestellt, dass es tatsächlich zu Abstimmungen zwischen Therapiepferd, Klientin und Therapeutin kommt. Die Herzschläge passen sich aneinander an und interessanterweise ist die Anpassung größer, wenn zwischen Mensch und Pferd schon vorher eine Beziehung geherrscht hat und das Therapiepferd nicht fremd bzw. unbekannt war.

Die Ergebnisse konnten wir schon bei vielen Konferenzen z.B in Dublin, Budapest, New York und Singen präsentieren und fanden große Zustimmung in der PferdetherapeutInnen-Gemeinschaft. Denn, dass Pferde sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken und helfen, Stress zu reduzieren und Entspannung zu erleben, das wissen die meisten schon aus ihrer täglichen Praxis. Auch, dass Beziehung im therapeutischen Setting ein ganz essentieller Faktor ist, ist den meisten bekannt. Und trotzdem ist es wichtig, die Forschung in diesem Bereich voran zu treiben, damit das Wissen, dass Eltern, Therapiekinder, TherapeutInnen, ExpertInnen usw. in der täglichen Arbeit erleben auch wissenschaftlich darzustellen, um eine größere Akzeptanz der pferdegestützten Therapie zu erreichen.

Wir freuen uns also SEHR über Austausch zu diesem und anderen Forschungsprojekten und möchten allen Mut machen, selber etwas auf die Beine zu stellen!

Die erste Publikation zu unserem Forschungsprojekt finden Sie unter http://www.uco.es/ucopress/ojs/index.php/pet/article/view/11801 und ein weiterer Artikel mit der Bedeutung der Ergebnisse für die Praxis sowie weiteren Forschungsideen und viel literarischen Hintergrund ist gerade in Arbeit.

 

„Eine Untersuchung der Stressreaktion von Pferden während pferdegestützter Therapie und nachfolgender Regeneration“

Im Rahmen unseres Forschungsprojekt zur Herzratenvariabilität und Synchronisation schrieb Lena Kreuzer, MSc ihre Masterarbeit für das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien und erforschte dabei die Stressreaktion und Regeneration von Therapiepferden:

„Meine Masterarbeit am Lichtblickhof hatte das Ziel, die physiologische Stressreaktion von Therapiebegleitpferden zu messen, um Hinweise auf deren Wohlbefinden im Kontext pferdegestützter Arbeit zu erlangen.

In einem ersten Versuch analysierte ich das physiologische Erregungsniveau von vier Pferden während standardisierter Therapieeinheiten anhand von Speichelproben und Daten über die Herzfrequenz. Die Pferde zeigten weder eine akute Stressreaktion, noch Anzeichen vermehrter Entspannung. Eine gesteigerte Herzfrequenz und erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol spiegelten vermutlich die erhöhte körperliche Belastung durch den Klienten auf dem Pferderücken wider. Diese Einstufung des therapeutischen Einsatzes als vermehrte körperliche Belastung und nicht als beeinträchtigender Stressor im Vergleich zu einer Kontrollbedingung gründete darauf, dass die Kortisolkonzentration innerhalb kurzer Zeit nach dem Ende des Einsatzes abnahm und Zeichen der Entspannung (i.e. Parasympathikusaktivität, ein Parameter der Herzfrequenzvariabilität) innerhalb der standardisierten Einheit die höchste Intensität aufwiesen. Allerdings zeigten Pferde, die in der standardisierten Einheit mit weniger vertrauten Menschen arbeiteten, die geringste Intensität dieser Entspannungsindikatoren. Folglich könnte die Intensität der zugrundeliegenden Beziehung zwischen Mensch und Therapiebegleitpferd ein bisher unterschätzter Wirkfaktor auf das Erregungsniveau sein und Einfluss auf das Wohlergehen der Tiere innerhalb einer Therapieeinheit nehmen.

In einem zweiten Versuch begleitete ich die Tiere im Arbeitsalltag und analysierte die Herzfrequenz und Parameter der Herzfrequenzvariabilität vor und im Anschluss an eine therapeutische Gruppenstunde. Ein anhaltender Einfluss des therapeutischen Einsatzes auf die Herzfrequenz und Parameter der Herzfrequenzvariabilität über die Zeit der Therapieeinheit hinaus konnte ausgeschlossen werden, da kein statistisch signifikanter Unterschied der Parameter in Abhängigkeit der Messzeitpunkte oder im Vergleich zu Kontrolltagen bestand.

Insgesamt scheint der Einsatz der Therapiebegleitpferde im Ausmaß einer Therapieeinheit innerhalb der Anpassungsfähigkeit der Tiere zu liegen und keinen akuten Distress hervorzurufen.“

  

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